Katrin Plötner

Woyzeck (2014), Georg Büchner
Theater Regensburg

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Fotos: Jochen Quast

Auf der Welt ist kein Bestand
Wir müssen alle sterben,
das ist uns wohlbekannt.



Es spielen: Pina Kühr, Franziska Sörensen, Gunnar Blume, Sebastian Ganzert, Jacob Keller, Michael Haake, Gerhardt Hermann und Robert Herrmanns


Bühne: Anneliese Neudecker


Kostüme: Henriette Müller


Musik: Markus Steinkellner


Dramaturgie: Stephanie Junge

In Woyzeck zeigt Büchner einen restlos nutzbar gemachten Menschen, ein ausgebeutetes und gedemütigtes Arbeits- und Versuchstier. Nackt steht er vor dem Doktor, der Wasser in seinen Mund gießt, um ihn zum Urinieren zu bringen. Blutbesudelt hängt er kopfüber in den Seilen, bietet seinen Leib zur Organentnahme dar. Immer wieder findet die junge Regisseurin Katrin Plötner starke Bilder. […]
Wenn Woyzeck Marie gespenstisch ruhig in den Tod führt, gewinnt der Abend noch einmal fesselnde Kraft.
Süddeutsche Zeitung

80 Minuten in der Seelenmangel. Büchners „Woyzeck“ ist ein offenes Rasiermesser. Katrin Plötner hat ihn in Regensburg neu inszeniert: Ihre drastischen Bilder vergrößern die Wunden.
Knapp eineinhalb Stunden Blut, Schmerz, Demütigung, klaffende menschliche Abgründe: „Woyzeck“ ist eine einzige Zumutung, eine mörderische Seelenmangel, die aus jedem noch das letzte Quäntchen Hoffnung herausquetscht. Belohnt wird der Theatergänger für sein Aushalten und Ausharren mit einer Sprache, deren poetische Kraft und Klarheit bis heute kaum erreicht ist. […]
Ausschließlich starkes Theater: sehr gut bis großartig agierende Schauspieler, das Geschehen getragen von der einzigartigen Sprache und Büchners menschlichem Bestiarium. […]
Woyzeck versucht vergebens, in eine Blechdose zu pinkeln, während der Doktor oben Wasser in ihn hineinschüttet. Ein starkes Bild physischer Qual und Entwürdigung. […]
Büchners kopfstehende Welt ist im Regensburger „Woyzeck“ in zunehmend überdrehte und drastische Bilder gefasst. Kopfüber hängt der Soldat mehrfach in den Seilen. In einer surrealen, albtraumhaften Szene wird er wie ein aufgespanntes Karnickel vom Doktor ausgeweidet. Der Jahrmarkt ist ein groteskes Spiel, ein bizarres Affentheater. In einer wie von Hieronymus Bosch gemalten Tod-und-Eros-Szenerie tanzen Major und Marie im Rotlicht einen geilen Zeitlupen-Pas-de-deux, während wummernde Bässe ins Schambein fahren. […]
Wie ein Schwein quiekt Marie, als ihr Franz sie am Ende abschlachtet. Ihre schrillen Schreie klingen lange im Ohr. Wie laut, wie bunt kann man den „Woyzeck“ inszenieren, ohne ihn zu verlieren? Katrin Plötner geht an die Grenze und überschreitet sie an manchen Stellen. Das ist junges, lebendiges, streitbares Theater. Das Sitzenbleiben lohnt. Es gab viel Premierenapplaus – und selten wurde beim Hinausgehen so intensiv diskutiert.
Mittelbayrische Zeitung

Egal wie schnell Plötners Woyzeck auch rennt – zum Wahnsinn der anderen kann er nicht aufschließen. Dass er nicht aufgibt und es am Ende doch noch in die Liga der Irren schafft, ist die eigentliche Tragik dieses Regensburger Woyzecks. […]
Dabei bleibt die Inszenierung so fragmentarisch wie Büchners Text. Oft auf starke Bilder hin gebaut, folgt der Abend keiner stringenten inneren Dramaturgie, sondern darf als Spiegelbild des Stücks stocken, stehenbleiben, woanders wieder einsetzen. Dabei wird Katrin Plötner auch nicht müde, dem gediegenen Regensburger Theaterpublikum die Einzelheiten der menschlichen Anatomie nahezubringen, denn nackte Haut und primäre Geschlechtsteile rufen immer noch – auch im 21. Jahrhundert – in bayerischen Theatersälen ein erschrecktes Raunen hervor. Leute, in der Inszenierung ist ein Penis zu sehen. Ihr seid alle erwachsen, guckt ihr nie in den Spiegel? Kommt klar. […]
Ein paar der viel radikaleren Bilder in Plötners Inszenierung, zum Beispiel das Herrmann-Nitsch-Zitat gegen Ende des Stückes mit Woyzeck als büßender Jesusfigur mit den Füßen gen Himmel zeigend riefen wiederum beim Publikum nicht mal ein entrüstetes Räuspern hervor. Dabei ist die diesen Bildern innewohnende Blasphemie eine sehr augenöffnende: in einer Welt, in der man Amtsinhabern, Würdenträgern und anderen personifizierten Institutionen nicht mehr vertrauen kann, in der man sich nicht mal mehr auf das private Glück der Kleinfamilie und der Häuslichkeit zurückziehen kann, ist auch die Religion kein Trost mehr. Und wenn nicht mal mehr Beten hilft, ist die nackte Verzweiflung alles, was bleibt. Hier eröffnet sich kein Lösungsweg, kein Rückzug aus der Welt, keine Versöhnung, keine Handlungsanweisung für ein besseres, ein anderes Leben.
Dass in Regensburg der Woyzeck auf der wenig versöhnlichen Note der Geschichte des verlassenen Kindes endet, ist brutal, aber konsequent.
www.regensburg-digital.de

Die Welt als düsterer Irrgarten: Bunt und beklemmend. […]
Woyzeck lebt in einer irren Welt – und die ist in der Inszenierung von Katrin Plötner vielleicht sogar noch ein bisschen irrer als in Georg Büchners Vorlage. […]
Plötner setzt auf Schockmomente, nackte Menschen, Blut und Gewalt. Beklemmende Szenen wechseln sich ab mit schnellen Partybildnern und einigen ruhigen Momenten. […]
Trotz schillernder Farben und glänzendem Flitter wirken die Szenen düster und grotesk. Das Stück skizziert die Gesellschaft mit all ihren Abgründen.
Rundschau