Die Herzogin von Malfi (2018), John Webster
Staatstheater Darmstadt

  • Die Herzogin von Malfi - Katrin Plötner - Staatstheater Darmstadt - Bild
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Fotos: Robert Schittko

Wenn ich zur Hölle fahre, will ich Bestechungsgeld mitnehmen, denn gute Gaben machen immer den Weg frei.



Es spielen: Karin Klein, Anabel Möbius, Robert Lang, Daniel Scholz und Mathias Znidarec sowie Matthias Degenhart, Lasse Lindstrot, Len Ulsperger und Ricardo Schwarz


Bühne: Daniel Wollenzin


Kostüme: Johanna Hlawica


Musik: Markus Steinkellner


Dramaturgie: Maximilian Löwenstein

John Websters „Die Herzogin von Malfi“ ist am Staatstheater Darmstadt zu sehen - mit Komik, Melancholie und rauchenden Colts. [...] Katrin Plötner hat sich einen ganz eigenen Reim und Schluss auf die Tragödie des 1579 geborenen und 1634 gestorbenen Dramatikers gemacht.
Dieser Schluss liegt, im Prinzip, gar nicht so weit weg von Websters Anlagen und so ist es überhaupt mit der ganzen theatralen Glitzer-Show: Irgendwie findet sich für all das ein Anhaltspunkt, was Plötner aus dem gruseligen Renaissancedrama herausdestilliert hat. Es gibt Andeutungen von Inzest, es gibt Bigotterie, Sex sowieso, selbst die Amme Cariola (Anabel Möbius) handelt mehr aus erotischen denn aus ethischen Motiven. Und am Ende driftet die Herzogin in Richtung „Pulp Fiction“ ab, auch das durchaus nur eine zugespitzte Variante des Webster-Plots.
Bei ihm ist das noch so: Frisch verwitwete kinderlose Herzogin will wieder heiraten, ihr Zwillingsbruder möchte das verhindern, aus Habgier, denn sie soll nicht doch noch einen Erben bekommen. Die Herzogin aber gehorcht ihm nicht, es folgt ein Gemetzel an ihr und ihren kleinen Kindern. Aus diesem inneren Widerstand speist sich Plötners Interpretation der Herzogin als reifer Frau, die sich ihre Freiheit und ihr Recht auf Sex lustvoll nimmt.
Dazu setzt Plötner auf lauten Sound, Stroboskop- und grelles Gegenlicht, schrille Gestik, ebensolche Kostüme und kalkweiß-grelle Schminke - Befremden also in jeder Hinsicht. Das Plakative und Blutrünstige kontrastiert grell mit den dezenteren Stärken des von Elisabeth Plessen übersetzten Textes. Bonmots dieser ätzenden Schärfe sind ein wahres Vergnügen, da ist durchaus etwas für uns Heutige dabei. So ambivalent zwischen Melancholie und drastischer Komik werden sie auch inszeniert, das Ensemble schmeißt sich beherzt hinein.
Frankfurter Allgemeine Zeitung

Düster, grausam und entsetzlich kalt sind die Menschen wie ferngesteuerte Marionetten an unsichtbaren Fäden. Das Konzept von Katrin Plötner, die Schauspieler puppenhaft und clownesk mit Harlekinkrägen, weiß geschminkten Gesichtern und Perücken auszustaffieren und das Geschehen wie auf einer Bühne in der Bühne zu präsentieren, unterstützt das. Das gesamte Setting erinnert an eine Robert-Wilson-Inszenierung, in der die Figuren auch zu Karikaturen werden wie bei Plötner. Das überzeichnet die Handlung und hebt sie gleichermaßen hervor. Wenn die Söhne der Herzogin aus wilder Ehe mit Antonio zu ihrer Mutter fliehen und sich an ihren Rock klammern, weil sie durch den Kerker von ihr getrennt werden sollen, dann ist das sowieso schon eine herzzerreißende Szene. In dem kalten, gleißenden und harten Licht vor dem schwarzen Hintergrund an diesem Ort ohne Hoffnung und ohne Menschlichkeit wirkt das alles noch viel dramatischer.
Was für ein bitterer Zirkus, bei dem einem nicht nach Lachen zumute ist. Auch wenn die seltsamen Clowns alles geben.
Main-Echo

Katrin Plötner hat in ihrem Stück nicht nur das Personal auf fünf Figuren verdichtet, sondern auch das tödliche Ende in eine eher symbolische Geste umgewandelt. [...]
Die personelle und dramaturgische Verdichtung bekommt dem Stück ausgesprochen gut, da dabei die wesentliche Aussage in kompakter Form zum Ausdruck kommt. [...]
Die Vernichtung des Bösen stellt sich in Katrin Plötners Inszenierung als reine Rachephantasie dar. In diesem Sinne wird sie einerseits der Handlung des Stückes - allgemeiner Tod am Ende - gerecht, andererseits vermeidet sie die fragwürdige Botschaft vieler Theaterstücke, am Ende erhielten die Übeltäter auch im Hier und Jetzt stets ihre gerechte Strafe.
Der Inszenierung wandelt mit sicherem Schritt auf dem schmalen Grat zwischen den Abgründen einer latent biederen Historisierung und platter Aktualisierung. [...]
Das Publikum war von dieser so düsteren wie kompromisslosen Inszenierung beeindruckt und spendete kräftigen Beifall.
www.egotrip.de