Katrin Plötner

Minna von Barnhelm (2014), Gotthold Ephraim Lessing
Landestheater Niederösterreich

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Fotos: Jochen Quast

Lieber Bestie als so ein Mensch!



Es spielen: Marion Reiser, Lisa Weidenmüller, Wolf Bachofner, Pascal Groß, Wojo van Brouwer, Lars Wellings und der Chor 50 plus


Bühne: Martin Miotk


Kostüme: Eugenia Leis


Choreinstudierung: Flora Königsberger


Dramaturgie: Julia Engelmayer

Starke Bilder findet Plötner für Minnas Leid. Sie ohrfeigt sich selbst und schlägt den Kopf an das Bühnenbild, als wäre es die Wand, gegen die der sture Major sie laufen lässt. Noch deutlicher wird ihre Wehrlosigkeit, als sie mit nacktem Oberkörper auf dem Major sitzt – der sie mit untätigen Armen von seinen Knien rutschen lässt, sodass sie in jeder Hinsicht entblößt vor ihm steht.
Das glückliche Ende der Komödie ist hier ein fragwürdiges; daneben wird gebrüllt, geschlagen und geschossen. Denn tut der Liebe nicht Gewalt an, wer so mit ihr spielt? […] Klug und mutig.
Der Standard

Katrin Plötner hat Lessings Lustspiel „Minna von Barnhelm“ gründlich entstaubt. […]
Das Kurfürstentum Sachsen, im Siebenjährigen Krieg von Preußen ausgepresst, wirkt im Landestheater Niederösterreich abgebrannt. Vier Meiler aus glimmender Holzkohle bilden auf der Bühne in gotischer Schrift ein „Grüß Gott, tritt ein“. So sieht für die Berliner Regisseurin Katrin Plötner der Eingang zum Gasthaus aus, in dem Gotthold Ephraim Lessings Komödie „Minna von Barnhelm oder das Soldatenglück“ (1767) spielt. Vier Brandherde und im Hintergrund ein heller Vorhang, der bei jedem Auftritt oder Abgang noch stärker mit Kohle beschmiert wird: Es geht hier auch um einen beschmutzten Ruf. […]
Plötner ändert in ihrer Inszenierung, die am Wochenende in Sankt Pölten Premiere hatte, die Chronologie. Im Gegenlicht erscheint am Anfang Tellheim (Lars Wellings). Mit Mühe führt seine zerschossene Hand das Dosenbier an den Mund. Flankiert wird er von einem Chor 50 plus mit bunten Ballons – es sind Sachsen, die sich dafür bedanken, dass er sie im Krieg geschont, die fehlende Summe für den Tribut an Preußen durch eigene Mittel ergänzt hat. Sie singen: „Heil, Major von Tellheim!“ Aber der wird in Berlin der Korruption verdächtigt, ist aufs Tiefste verletzt, fertig. […]
Das Drama wurde gründlich entstaubt, doch blieb auch etwas Ehrfurcht vor dem Text in diesen frechen, flott gespielten zwei Stunden bestehen. Man sieht schräge junge Frauen, die Spaß haben, Schnaps kippen, rauchen, richtig zur Sache gehen, und fast nur Männer, die auf Ulk reduziert sind. Allein Tellheim ist ganz Melancholiker, träumt von Selbstmord. Es knallt unheilvoll. Alles nur Fantasie! Ein königliches Sendschreiben verkündet Rehabilitation. Am Schluss jedoch erscheint noch einmal der Chor und singt: „Ich hatt' einen Kameraden“. Das klingt dann gar nicht mehr nach Happy Ending.
Die Presse

An eine Neuinszenierung von Gotthold Ephraim Lessings Komödie „Minna von Barnhelm oder das Soldatenglück“ wagt sich die junge Regisseurin Katrin Plötner am Landestheater NÖ in St. Pölten, wo die Premiere am Freitagabend freundliche Aufnahme fand. Plötner taucht den Klassiker in leicht skurriles Licht und setzt Pointen zwischen Verfremdung und Slapstick. […]
„Grüß Gott tritt ein“ steht in dunklen altdeutschen Lettern zu lesen, die wie eine dreidimensionale Plastik aus monströsen Kohlebriketts den Raum vor einem verschmutzten Vorhang beherrschen (Bühne: Martin Miotk). Ein Chor mit bunten Luftballons eröffnet das Stück mit einem Lobgesang auf den Major von Tellheim. Dieser, sympathisch dargestellt vom deutschen Schauspieler Lars Wellings, ist ein psychisch wie physisch ramponierter Kriegsverlierer, der seiner Ehre nachräsoniert. Dass er - rehabilitiert - am Ende des Stücks wieder in den Krieg zu ziehen gedenkt, zählt zu den wahrhaft tragischen Momenten dieser Komödie.
Lisa Weidenmüller in der Titelrolle gibt ein gar kapriziöses Geschöpf, aufgedonnert wie eine laszive Zirkusprinzessin (Kostüme: Eugenia Leis), begleitet von ihrem Kammermädchen Franziska, dem Marion Reiser witzige Facetten abgewinnt. Die beiden Damen wirken durchaus ungeniert, pofeln eingangs um die Wette und kippen kleine Klare aus dem mitgeführten Fläschchenarsenal. […]
Es gibt sehr überzeugende Passagen, etwa das Finale, wenn nach dem Pseudo-Happy-End der „Chor 50 plus“ die in der Schlusspose verharrenden Mitwirkenden umringt und alle Strophen von „Ich hatt‘ einen Kameraden“ anstimmt. Auf dem gefallenen Vorhang erscheinen - gleich einem Menetekel in schwarz-weiß - die Silhouetten von Bäumen wie ein Scherenschnitt, der langsam in der Finsternis verglimmt.
Tiroler Tageszeitung

Dass der Ehrbegriff und der Wille zum Krieg weiterhin die Zukunft der Welt beherrschen wird, hat die Regie mit dem Schlusslied des Chors „Ich hatt` einen Kameraden“ exzellent ausgedrückt. Der Chor 50+ bereicherte auch den Einsteig ins Stück mit der gesanglichen Lobpreisung Tellheims meisterlich, sang andante – piano in der Tradition des griechischen Chors, der die Handlung stets dokumentiert und erläutert. Er stellte eine wirklich zielführende Modernisierung im Sinne Bert Brechts und Erweiterung des Werkes Lessings dar.
Genauso gelungen wie die Leistung der Schauspieler, Regie und Bühne!
Literarische Gesellschaft St. Pölten

Regisseurin Katrin Plötner reichert den Klassiker zusätzlich mit Humor an, lässt ihn zeitweise aber auch auf den harten Bühnenboden krachen. […]
Schon der Beginn setzt den Ton für die Aufführung. Mitglieder des Chor 50 Plus des Festspielhauses St. Pölten singen „Herr von Tellheim, ihm sei Dank“ und weiter „er hat uns errettet“. Die Töne sind leicht schief, die Stimmen eher brüchig. Luftballone in der Hand. Dies ist kein heroischer Freudengesang sondern wirkt in einer Art und Weise lächerlich, wie der bürgerliche Begriff der „Ehre“, mit deren Fragwürdigkeit uns Lessing in Plötners Inszenierung konfrontiert. Tellheim wiederum spielt nur wenige Augenblicke danach seine Liebe zu Minna mit improvisierten Handpuppen aus Taschentuch und Ring nach. Das ist ebenso wieder zwischen Skurrilität und einer tiefen, hilflosen Traurigkeit.
www.musicaltheaterdetective.blogspot.co.at

Dieses Stück anzuschauen ist wie eine überdimensionale Wundertüte zu öffnen. […] Katrin Plötner hat diese erste nennenswerte Komödie der deutschen Aufklärung spannend inszeniert.
www.spielzeitreporter.wordpress.com