Katrin Plötner

Nathan der Weise (2020), Gotthold Ephraim Lessing
Landestheater Linz

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Fotos: Petra Moser



Es spielen: Katharina Hofmann, Katharina Knap, Theresa Palfi, Gunda Schanderer, Sebastian Hufschmidt, Klaus Müller-Beck, Markus Ransmayr, Julian Sigl sowie Statisterie


Bühne: Anneliese Neudecker


Kostüme: Henriette Müller


Musik: Markus Steinkellner


Dramaturgie: Andreas Erdmann

Hier sei die kluge „Nathan“-Inszenierung empfohlen, die am Samstag Premiere feierte. Kulturchef Peter Grubmüller hat den hochwertigen Theaterabend besucht. [...]
Regisseurin Katrin Plötner wirft einen scharfen, präzisen Blick auf Lessings „Nathan der Weise“ [...] Sie stellt ein gescheit abgeschmecktes Konzentrat von nicht einmal zwei beglückenden Stunden auf die Bühne. Am Samstag fand die mit vielen Bravo-Rufen gefeierte Premiere statt.
Plötner konzentriert sich aufs Wesentliche, ohne Lessing zu denuzieren. Und sogar die Einführung einer Sultanin begründet sich, weil es die Atmosphäre des Lessings-Universums mit einer neuen Perspektive ausstattet. [...]
Und als sich am Ende die liebe Familie nicht wie bei Lessing vor lauter Wir-Gefühl in die Arme fällt, sondern der Tempelherr mit einem Revolver abwechselnd auf sich und auf Recha zielt, weiß man, Nathans Botschaft wird uns noch über Generationen beschäftigen.
Fazit: Ein dramatisches Meisterstück, das nicht den Klassiker beschwört, sondern den Inhalt. Was den Lessing-Puristen hier verstören mag, bejubelt der lustvolle Theater-Enthusiast.
OÖNachrichten

Die meisten Ex-Gymnasiasten verdrehen reflexartig die Augen, wenn sie „Nathan der Weise“ hören - das Landestheater überrollte das Publikum jetzt jedoch mit einer knalligen Version des verstaubten Lessing-Klassikers.
Mit wenigen, aber effektvollen Mitteln stellte Regisseuerin Katrin Plötner eine clevere und rasante Inszenierung auf die Bühne. [...] In der knalligen Umgebung waren die großen Themen des Werks: Religion, Toleranz und Humanismus, hervorragend eingebettet. [...]
Für diese Produktion darf sich jeder „Ringparabel“-Traumatisierte ruhig ein Ticket kaufen und dem Stück noch eine Chance geben.
Kronen Zeitung

Am Landestheater Linz schafft Regisseurin Katrin Plötner mit einer Kunstmärchenoptik einen zeitlosen Gedankenraum. [...] Dem idyllischen Ende misstraut Plötner. Ihre Inszenierung am Schauspielhaus beginnt mit einem krachenden Milizeinsatz und endet mit Schüssen. Muss man die plötzlich festgestellte Verwandtschaft über Religionsgrenzen hinweg bei Lessing als freudvoll einschätzen, so überfordert die neue Konstellation den jungen christlichen Ritter in Plötners Neuinszenierung, und er greift zur Waffe. Als unerträgliches Sündenhaus erscheint ihm diese religiöse Durchmischung. Besonders raffiniert löst Plötner diese letzte Szene, die ihrerseits auch ein offenes Ende hat, das aber hier nicht vorweggenommen werden soll.
Der Standard

Katrin Plötner verdichtet Lessings Drama enorm, fügt ihm Gender-Tausch und Klamauk zu. Das ist unterhaltsam. [...] Reichlich Stoff hat Regisseurin Katrin Plötner im Landestheater Linz mutig in 105 Minuten gepresst. Die Premiere am Samstag war kurzweilig. [...]
Bei all der Straffung kann sie das Wesentliche eines wunderbaren Stoffes der edelsten Aufklärung darstellen.
Die Presse

Stark verfremdeter „Nathan der Weise“ am Landestheater Linz.
Ja, die berühmte Ringparabel gibt es. Aber sonst erkennt man "Nathan der Weise" kaum wieder. Katrin Plötner hat am Samstag Lessings fast 250 Jahre altes Toleranzstück in Zeiten, in denen Appelle an die Toleranz wieder bitter nötig scheinen, bunt, heiter und verfremdet auf die Bühne des Linzer Landestheaters gebracht. Eine Leichtigkeit, die am Ende in einem Knalleffekt wieder zerplatzt. [...]
Erst am Ende stellt sie auf überraschende Weise doch die Toleranzfrage. Die Antwort wird mit einem Revolver gegeben. Sie fällt nicht erfreulich aus.
Salzburger Nachrichten

Eine unglaubliche Wucht ist die Inszenierung am Landestheater. Ein Sprachfest mit buntem Bühnenbild und schauspielerischen Höchstleistungen.
LT1

Extrem empfehlenswerten Produktion. [...]
Die Varianten des heute noch gängigen Frauenbilds aufgesplittert zu erleben in Sittah als mächtiger-Frau / Klosterschwester-als religiöses-#metoo-Opfer / und Recha als an-patriarchale-Häuslichkeitsforderungen-buchstäblich-Angebundene, ist großartig.
Den Text habe ich noch nie dermaßen intensiv und lückenlos aus der Notwendigkeit des Lebens, der Nöte und der Charaktere geboren gehört und erlebt: Hochachtung der Regisseurin und allen Schauspieler*innen! [...] Hochverdienter Jubel des Publikums für die Vorstellung: Gratulation!
Elisabeth Schrattenholzer, Autorin von Sorry, Nathan! - Wortblind und sinntaub: Die Beschädigung des Denkens durch die Sprache des Patriarchats