Leben des Galilei, Landestheater Linz

Erstaunliche Inszenierung [...]
Die deutsche Regisseurin Katrin Plötner hat eine packende Inszenierung auf die Bühne der Kammerspiele gebracht. Ihre Regie ist ein smarter Aufbruch, eine faszinierende Annäherung, eine teils zynische Demaskierung des scheinbar Unvermeidlichen. [...]
Plötner zeigt Galileis Hinwendung zum Kapital und der Dekadenz in Florenz, sein Leugnen vor der Obrigkeit in Rom, als würde ihr Fernglas punktgenau die Schwachpunkte eines unzumutbaren Systems in Brand setzen. [...]
Ein hervorragend geführtes Ensemble. Eine rundum gelungene Inszenierung, grandios.
Neues Volksblatt

Brecht wollte ein „soziales Ungeheuer Galilei“. Die Premiere des Stücks unter der Regie von Katrin Plötner am Linzer Landestheater erfüllte diesen Wunsch.
Dieser Galilei, den die aus Berlin stammende Theaterfrau von Christian Taubenheim erschaffen lässt, liegt auf der Bühne wie ein Playboy. Ein Macher zwischen Astronomie und Alk, der bei unredlichen Gelegenheiten so fest zupackt wie beim Hintern seiner Haushälterin. Überrumpelt ist man von dem Spaß, den er bereitet, wenn er sich als Lebemann verliert.
Gleichsam berührt es, wenn ihn die Physik fesselt, er sich gegen den Klerus stellt und sich ihm schließlich unterwirft. [...]
Johanna Hlawicas Kostümbild ist fabelhaft überhöht, wie die Bühne von Anneliese Neudecker.
Oberösterreichische Nachrichten

Regisseurin Katrin Plötner hat den Klassiker entstaubt [...] und ihr ist eine optisch ansprechende Inszenierung gelungen.
Kronen Zeitung


Willkommen in Deutschland (DEA), Schauspiel Frankfurt

Zu Beginn fühlt man sich wie in ein Gemälde von Otto Dix versetzt. Die Freunde tanzen berauscht durch die Nacht, die Frauen tragen glitzernde Paillettenkleider und Bubikopf, es gibt Schaumwein, Schnaps und eine Opiumpfeife, über den Aufstieg der Nationalsozialisten wird da noch gescherzt. Am Ende liegen die Darsteller erdrückt unter einer metallenen Decke, mit blut- oder rußverschmierten Gesichtern. Geschlagene sind sie nun, Verzweifelte. Aus dem silbernen Lametta, das zu Beginn von der Decke rieselte, ist längst schwarze Asche geworden.
Deutsche Bühne

Das Schicksal der Künstlerfreunde geht unter die Haut. [...] Am Ende bleiben die Scherben gescheiterter und zerbrochener Leben und das traurige Ende der Freundschaft. Der Bühnenraum, die Wohnung von Agnes Eggeling, wird nach und nach niedriger, so dass den Schauspielern immer weniger Platz für Aktion bleibt. Am Ende liegen sie platt gedrückt unter der Betondecke. Ein beklemmendes Bild. Kommentiert wird die Handlung durch die Figur der jungen Frau Zilla aus der Gegenwart (jung und zum Glück ohne Pathos: Carina Zichner).
Katrin Plötner modernisiert durch ihre Regie die Figuren und spiegelt Vergangenheit und Gegenwart. Die Figuren nehmen uns durch das starke Spiel des Ensembles mit in ihre tiefsten Gewissenskonflikte. Ein Abend, der aufrüttelt und viele Fragen stellt vor allem an uns selbst und den Weg, für den wir uns entscheiden.
Donaupost

Starke Inszenierung
Es wird existenziell eng unter der Zimmerdecke, die sich mit minutiöser Unerbittlichkeit auf die Freunde herabsenkt: da fällt das Atmen schon beim Zuschauen schwer. Das Beinahe-Zerquetschen der bunt gemischten Intellektuellentruppe ist prägnanter Schlusspunkt der deutschen Erstaufführung von Tony Kushners Erstling in den Kammerspielen des Schauspiels Frankfurt. [...]
Verdienter Applaus für einen klaren Theaterabend zur rechten Unzeit.
Gießener Allgemeine Zeitung

Eine gelungene Verpackung für ein wichtiges Thema, nicht nur im Wahljahr 2017 (zudem hervorragend gespielt). Starker Applaus.
www.kulturfreak.de


Hamlet, Prinz von Dänemark, Theater Regensburg

Die Inszenierung von Katrin Plötner beginnt vielversprechend - um dann schrill wie ein Comic zu enden.
Das Fundament, auf dem sie stehen, hängt schief. Die Bühnenbildnerin Maria Moser hat Shakespeares Figuren auf ein schräg abfallendes Dreieck gestellt, dessen Spitze auf einen Grabhügel deutet. Langsam schreitet die Trauergemeinde herab, um dem toten König die letzte Ehre zu erweisen. Unter dem schwarzen Cape seiner Witwe aber, die das Bett mit seinem Mörder teilt, blitzt ein leuchtend rotes Kleid hervor.
Mit schnörkellos klaren Bildern eröffnet Katrin Plötner ihre „Hamlet“-Inszenierung im Theater Regensburg. Ohne politische Aktualisierungen zeigt sie eine von Machtgier, Intrigen und Lügen regierte Gesellschaft. Jeder misstraut jedem. „Hab' Angst“, rät Polonius Ophelia, ein fieser, eiskalter Taktiker (Frek Brockmeyer), der seine Tochter instrumentalisiert. Der gewiefte Politprofi Claudius (Stefan Schießleder) setzt gemeinsam mit Hamlets Mutter Gertrud (Franziska Sörensen) dessen Freunde als Spione ein. Alle belauern, täuschen und bespitzeln einander. „Dänemark ist ein Gefängnis“, erklärt Hamlet, der nackt bis auf einen Gürtel hereintapst. Lauscher schleichen umher, unter der Spielfläche kriecht der junge Fortinbras mit Norwegen-Fähnchen hervor, der von den mit sich und ihren Ego-Interessen beschäftigten Dänen ignoriert stets im Hinter- und Untergrund präsent ist und sich am Ende den von innen her verfaulten Staat aneignen wird.
Um ein verrottetes System auszustellen, dafür nimmt die bundesweit bekannte 31-jährige Regisseurin, die bereits mehrfach in Regensburg zu Gast war, Verluste in Kauf. Sie reduziert den Facettenreichtum der Figuren und greift in ihrer etwas überhastet voranjagenden Shakespeare-Version zu schroffen Textkürzungen. Dennoch folgt man der Aufführung gespannt, neugierig darauf, wohin sie führen wird.
Der seiner Hoffnung auf den Thron beraubte Hamlet ist bei Plötner kein Melancholiker, kein scharfsichtiger tatgehemmter Intellektueller, sondern ein trotziger, zornig aufbrausender Jüngling, der gern ein starker Mann wäre, aber dauernd ausrutscht und zu Boden knallt. [...]
Das Gewaltpotenzial, das in Hamlet steckt, enthüllt sich erstmals in seiner Beziehung zu Ophelia, die er brutal vergewaltigt. [...]
Nach der Pause führt er eindringlich einen Fanatiker vor, der sich das Recht anmaßt zu morden, sich die Hand in die Hüfte gestützt in Feldherrnpose wirft. „Hamlet“ als die Geschichte einer Radikalisierung zu erzählen, ist eine durchaus einleuchtende Lesart des Klassikers.
Süddeutsche Zeitung

Das Bühnenbild im Velodrom zeigt nichts als eine schiefe Ebene, ein Dreieck, auf dem sich zu halten ein gewaltiger Kraftakt ist; Sinnbild auch für eine Zeit, eine Gesellschaft und Individuen, die aus den Fugen sind. „Der er et yndigt land“: Unter anschwellendem Nationalgesang bauen sich die Protagonisten wie in einer therapeutischen Familienaufstellung auf. Sogleich wird klar, wer hier alleine ist und bleibt: Hamlet. Als seine Mutter ihrem Geliebten die Krone aufsetzt, fällt er unter Böllerschüssen wie ein erlegtes Stück Wild zu Boden.
Gertrude (Franziska Sörensen), Hamlets Mutter, und Claudius (Stefan Schießleder), der Bruder ihres gerade verstorbenen Mannes, halten Hochzeit - unter ihren Füßen die braune Erde, in der Hamlet gerade erst die Asche seines toten Vaters verstreut hat - und einige Gramm davon auch auf sein Haupt. Der Prinz probiert die Krone auf, doch sie rutscht ihm über die Ohren. Ein starkes symbolisches Bild für den jungen Dänen, der sich um den Thron beraubt sieht - obwohl ihm der Hermelin wahrscheinlich wirklich noch eine Nummer zu groß ist.
Die Titelrolle spielt Jacob Keller, der mit dem Kulturförderpreis des Freistaats ausgezeichnete junge Schauspieler, den Kritik und Publikum gleichermaßen lieben. Ihm liegt das Hohlwangig-Existenzialistische. Wenn er splitternackt über die Bühne läuft, ist das kreatürlich, nicht peinlich. [...]
Katrin Plötner dreht die Menschen auf bis zum Anschlag. Schon aus ihrem „Woyzeck“ schlugen Emotionen, die wie Elementargewalten alles aus dem Weg fegen. Und nackt, verletzlich, roh, brutal erleben wir auch Hamlet. Er ist weder edler Rächer noch schwaches Rädchen im Getriebe der Macht. Er manipuliert und tötet ja selbst, liefert seine ergebenen Gefährten Rosencrantz und Guildenstern (ein großartiges Gespann: Robert Hermanns und Benno Schulz) ans Messer, würgt seine kreischende, zappelnde Geliebte Ophelia in den Wahnsinn.
Rachefeldzug, Polit-Thriller, Familiendrama und zunehmend groteskes Meta-Theater: Dies und mehr ist der Regensburger „Hamlet“. Wie immer bei Plötner in fesselnd schönen, wirkmächtigen Bildern mit dramatischer Lichtregie, wie immer auch mit viel verspieltem Witz. Rosencrantz' und Guildensterns Schauspiel, das den mörderischen Onkel entlarven soll, ist eine burleske Travestie. Der Geist des toten Vaters trägt grellrote Bäckchen und angeklebten Rauschebart, Rosencrantz Lockenperücke und BH zum Oberlippenbärtchen. [...]
Das Ensemble zeigt einmal mehr eine geschlossen glänzende Leistung.
Mittelbayrische Zeitung

Im Dienste der falschen Wahnsinnswelt macht Regisseurin Katrin Plötner bei der Spielzeiteröffnung in ihrer starken Inszenierung Shakespeares „Hamlet“ im Theater Regensburg vieles, sehr vieles richtig. Das Bühnenbild (von Maria Moser) ist ein weißes, schiefes Dreieck, dessen Spitze im Bühnenvordergrund auf einen Haufen Dreck zeigt; dort sind Grab und Tod und Untergrund, dort wühlen und besudeln sich Leute, wenn's ans Eingemachte geht, von dort aus wachsen die Verwerfungen, blühen Hader, Rache, Mord, Irrsinn. Das Grab ist hier nicht das Ende, sondern der Anfang aller Dinge. Und vor ihm verwandelt sich die Dreiecksspitze zuletzt zum Ort des finalen Blutbads.
Es rummst im Staate Dänemark. Die sinnliche Präsens der Handlung macht jeweils schon der Musikteppich von Markus Steinkellner klar, der sich zu Beginn und nach der Pause rabiat und radikal auf die Zuschauer ergießt. [...]
Falsch und richtig, gut und böse: Klare Kante zeigt in Regensburg nicht nur das Bühnenbild, sondern auch das Licht. Plötner baut eine Licht- und Schattenwelt, durch die Hamlet taumelt, eine Hell-Dunkel-Landschaft, die die Klarheit der Vernunft zerbricht, aus der aber der Titelheld zunehmend auch seine Kraft schöpft. Er kommt zu sich, indem er außer sich gerät. Das süße Liebespaar, das zu Beginn sich herzend herumtollt, erträgt die bittere Wirklichkeit zwar nicht und kommt in ihr um, trägt sein Schicksal aber in der fast mathematischen Zwangsläufigkeit ihres Abdriftens wie wirkliche Helden stolz und sachlich: Verena Maria Bauer als Ophelia, grandios Jacob Keller als Hamlet.
Kellers Hamlet wird getrieben und gebremst von Wut und Melancholie, das zieht ihn in eine Zerrissenheit, die kaum auszuhalten ist. Er wird, zuerst nackt, am Ende zu einem Racheritter in goldener Rüstung. Die Handlung - vorwärtsgetrieben durch ein durchweg hoch beeindruckend spielendes Ensemble mit einem kleinen, feinen Zuckerguss des Komischen, für den Rosencrantz (Robert Herrmanns) und Guildenstern (Benno Schulz) sorgen - mündet schließlich in ein surrealistisch wirkendes Finale. Plötner verkürzt den Schluss auf ein Blutbad mit Farbeimern und Geschrei und Ophelia als eine Art polynesischem Todesengel: ein ganz starkes Bild am Ende eines bilderreichen Theaterabends.
Donaupost

Der Familientherapeut und Kolumnist der Digitalen Sonntagszeitung Sebastian Sonntag hat für uns die „Hamlet“-Premiere besucht. [...]
Ich arbeite viel mit trauernden Menschen. Deshalb empfand ich die Darstellung der Trauer Hamlets um seinen Vater ganz am Anfang sehr authentisch, dicht und hoch emotional. Die zweite Szene danach, als alle beteiligten Personen stumm und starr wie in einer Familienaufstellung auf der schrägen Ebene standen, war für mich ebenso großartig. Da kam für mich etwas von der unheimlichen Familien-Dynamik rüber, die ich von dieser Arbeit kenne. [...]
Sehr gut gefallen hat mir vor allem, wie schon erwähnt, die Anfangsinszenierung. Der Aufbau der Spannung mit der gewaltigen Musik und diesem plötzlichen Moment der Stille. Da war etwas erfahrbar von der Dramatik und Tragik dieser Geschichte. Den Bühnenaufbau mit der schrägen Ebene empfand ich toll, wie das Energiefeld eines Familiensystems.
Mittelbayrische Zeitung

Die große Geschichte um Macht, Gewalt, Liebe und Raserei des Dänenprinzen Hamlet inszeniert Katrin Plötner als wahnhaftes Spektakel, nach dem es eine mehrköpfige Putzkolonne im Regensburger Velodrom brauchen dürfte. [...]
Plötner erschafft einige starke Bilder. Der Rest ist Schweigen. Mit diesem berühmten Satz endet die Regensburger Hamlet-Inszenierung, die die aktuelle Spielzeit in der Sparte Schauspiel eröffnet. Die guten zweieinhalb Stunden Shakespeare, die das Ensemble meist kletternd über und unter dem weißen Dreieckskubus auf der Bühne des Velodrom zugebringt, zeigen, dass hier viel gewollt wurde. [...]
Ihr zu recht gefeiertes Talent starke Einzelbilder zu erzeugen, funktioniert bei fragmentarischen Stücken wie dem Woyzeck und bescherte Konstantin Küsperts „pest“, das sich durch seinen Episoden-Charakter auszeichnet, eine gelungene Uraufführung.
www.samtundselters.de

Der Raum unter der schiefen Ebene für die Spione mit den norwegischen Fähnchen und auch die kleinen humoristischen Einlagen, wie beim von Rosencrantz und Guildenstern aufgeführten Theaterstück oder als Hamlet zum Schluss eine kleine Türe in der schiefen Ebene entdeckt, bereichern diese Inszenierung.
Oberpfalznetz


die europäische wildnis, eine odyssee (UA), Schauspiel Frankfurt in Kooperation mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen

Der Text schrammt mehr am Klischee entlang als die Inszenierung. Regisseurin Katrin Plötner setzt sorgfältig ein Prinzip um, das Autor Sascha Hargesheimer schon in seinem Text angelegt hat, der keinen einzigen Absatz einer festen Figur vorschreibt. Damit steht formal zur Disposition, worum es hier thematisch geht: Identitäten. Grenz-Ziehungen. Die Regie hat klare Entscheidungen getroffen, welche Figur welche Geschichte erlebt, wie sich Episoden entwickeln und wie sie zu roten Fäden für kleine Biografie-Miniaturen führen.
Aber gleichzeitig überspringt das Spiel dieses Prinzip auch: Von einer Figur wird erzählt, eine andere übernimmt die wörtliche Rede, wieder eine andere das Spiel. Manchmal macht die erzählte Figur auch einfach nicht, was von ihr erzählt wird. Und manchmal begreift sie erst langsam die Zuschreibung, findet sich hinein und „improvisiert“ (sichtlich sorgfältig geprobt). Dabei entsteht die melancholische Leichtigkeit eines Episodenhaften, das der Text bereits angelegt hat.
Ein netter, leichter Abend ist entstanden. Mit einem untergründigen, alptraumhaften Grollen.
Deutschlandradio Kultur

Katrin Plötners Inszenierung folgt Hargesheimers Erzählung genau. Die Mischung aus anonymem Erzähler-Ich, identifizierbarem Figuren-Ich und gelegentlichen Dialogfetzen wird getreulich reproduziert. [...] Drei Schauspielerinnen und zwei Schauspieler sprechen ohne feste Figurenzuteilung, mimen aber immer auch Reaktionen, imitieren Aktionen, kommentieren gestisch das Gesagte. Dieses semimimetische Spiel bewirkt einen heiteren, distanzierenden, leichtsinnigen Unernst, der angenehm mit der trostlosen, tiefsinnierenden Gegenwartsanalyse des Textes kontrastiert, ohne sie preiszugeben für Amüsement.
Das gelingt vor allem in zwei Episoden: in der gemeinsam durchgesprochenen Bombenpanik in der U-Bahn, weil ein Mann sich auffällig an seine Sporttasche klammert. Hier wird eine Erfahrung, ein alltägliches Dilemma, mikroskopisch genau durchdacht und untersucht und dann auf der Bühne wieder gestisch vergrößert. Und in Carina Zichners Monolog der Journalistin über ihr fatales Interview, in dem sie alle Reflexionsschleifen durchläuft, in den sie aber auch alle Wut, allen Selbsthass, alle Selbstbehauptung dieser Figur hineinsteigert bis zum Szenenapplaus des Premierenpublikums.
www.nachtkritik.de

Gesprochen wird meist in einem rapiden Tempo. Da zeigt sich einiges von der charakteristischen Turbulenz einer Ensembleinszenierung, die Regie überreizt diesen Effekt jedoch nicht. Sie nimmt das Tempo immer wieder zurück und vermeidet es auf diese Weise, die komödiantischen Mittel in ein schnödes Volldampftheater zu treiben. Das Schauspielerquintett formiert sich mitunter zu einer dicht aneinandergeklammert bangen skulpturalen Gruppe.
Es ist dies ganz entschieden ein Abend der Schauspieler, der Text - nun ja. [...]
Der konturensicheren Regiehand von Katrin Plötner gelingt es, die durchweg großartigen Schauspieler mit einem zwar pointierenden, im Ganzen aber nicht albernen Spiel ohne Aplomb in Szene zu setzen. Damit leistet sie eine Art von Notdienst am Text und schlägt tatsächlich eine redliche Form von Kurzweil heraus, obschon das ganz und gar nicht darin angelegt ist.
Frankfurter Rundschau

Gedankengetöse im modernen Menschen in einer rasenden Welt auf einer Irrfahrt ins Nichts. Ernst werden hier tiefste Zweifel und Ratlosigkeiten ausformuliert. Behutsam kombiniert die Regisseurin frontales Sprechen und kleine Spielszenen. [...] Die fünf Darsteller untermalen das mit einem heiteren, zurückgenommenen und niemals ironischen Spiel.
Deutschlandfunk

In seiner „Odyssee“ begegnen sich Heimatlose an Nicht-Orten wie diesem Flughafen-Transitraum, welcher sich später, dazu reichen einige Dutzend Quallen-Imitate, ins Mittelmeer verwandelt. [...]
Katrin Plötners Regie findet die richtigen Antworten auf die Herausforderung einer raschen Szenenfolge bei häufigen Ortswechseln, indem sie mit einem sehr engagierten Ensemble, alle Schauspieler schlüpfen wechselweise in die Erzählerrolle, hohes Tempo geht bei nahtlosen Übergängen. So ist ihr Regiestil eine Entsprechung zu Sascha Hargesheimers Schreibstil, eine seltene Symbiose. Von beiden wird man sicherlich noch hören.
Sonntagsnachrichten

Schauspiel Frankfurt bringt eine packende Uraufführung auf die Festspielbühne - ein packender Sturzflug durch „die europäische wildnis“. [...] Fesselnd von der ersten bis zur letzten Minute.
Regisseurin Katrin Plötner bringt die Geschichte sehr stimmig mit den Mitteln des Stegreif- und Improvisationstheaters auf die Bühne: Jeder Akteur verkörpert mehrere Figuren und ist zugleich Spieler und Erzähler. [...]
Das Schauspiel Frankfurt bringt den nicht eben leichten Stoff in einer packenden Inszenierung kurzweilig auf die Bühne. Für die Uraufführung gab es großen, langanhaltenden Beifall im Kleinen Haus der Ruhrfestspiele.
Recklinghäuser Zeitung

Diese und andere Geschichten fügt Hargesheimer zu einem Prosatext mit großen Dialogen zusammen, den man gar nicht zwangsläufig dem Theater zuordnen muss.
Regisseurin Katrin Plötner macht aus der Notwendigkeit, die szenischen Beschreibungen durch die Schauspieler umsetzen zu lassen, eine Tugend des Zusammenspiels. Die fünf Darsteller sprechen chorisch, in wechselnden Ensembles und solistisch diese Texte und verwandeln sich im Dialog in konkrete Figuren. [...]
Auf puristisch-abstrakter Bühne fördert die Regie vor allem den Humor des Textes zutage, lässt Katrin Plötner etwa Journalisten im Chor ihr Redaktionsbüro besingen oder eine Schauspielerin das angesprochene Gebrabbel im Hintergrund mit den leisen Worten „Brabbel, Murmel“ illustrieren. So wird die Reise der fünf Figuren durch ihre europäische Wildnis, als Koproduktion des Schauspiels Frankfurt im Kleinen Theater der Ruhrfestspiele, zum unterhaltsamen 90-Minüter.
Westfälische Nachrichten

Eine Unmenge Worte, gesprochen in rapidem Tempo: Merkmale des Ensembletheaters. Die Regie legt es indes nicht auf eine Revue der Effekte an, gescheit nimmt sie das Tempo zurück. Die allesamt brillante Schauspieler vermögen aus dem Stück eine Steilvorlage zu ziehen.
Offenbach-Post

Sascha Hargesheimers „Odyssee“, die Homers Motiv der Heimatsuche variiert, ist vielstimmige Gedankenprosa. Im kühlen Bild eines Flughafen-Terminals lösen Regisseurin Katrin Plötner und Dramaturgin Henrieke Beuthner den erratischen Textblock grandios in „Sprechparts“ für fünf exzellente Darsteller auf.
Der Westen


Tod eines Handlungsreisenden, Mainfranken Theater Würzburg

Viel Beifall für „Tod eines Handlungsreisenden“ am Würzburger Mainfranken Theater.
Endzeitstimmung liegt über der Szene, dunkle Sounds verstärken die hoffnungslose Tristesse. In seinem 1949 uraufgeführten Erfolgsstück „Tod eines Handlungsreisenden“ erzählt Arthur Miller vom Niedergang und Ende des amerikanischen Traums. Dafür findet Katrin Plötner in ihrer ersten Regiearbeit für das Würzburger Mainfranken Theater starke und expressive Bilder.
Mit ihrer langjährigen Bühnenbild-Partnerin Anneliese Neudecker, der Kostümbildnerin Johanna Hlawica und dem Musiker Markus Steinkellner holt sie den Stoff in die Gegenwart. [...]
Es ist die Geschichte des Niedergangs, des Scheiterns, der Erfolglosigkeit und der Versagensangst, die zunehmend auch die gesellschaftliche Mitte erfasst und herausfordert. Und so fordert auch die Inszenierung der am Münchner Residenztheater, in Frankfurt, Regensburg und Augsburg hoch gelobten Regie-Nachwuchshoffnung das Würzburger Publikum heraus. Der Abend ist alles andere als behaglich mit seinen teils drastischen Effekten. [...]
Das Publikum belohnte dies bei der Premiere mit lang anhaltendem Applaus und vielen Bravos.
Main-Post

Regisseurin Katrin Plötner liefert dem Publikum ein sehr verdichtetes Bild, reduziert die Akteure auf Willy Lomans Familie und den personifizierten „American Dream“. Eine in sich runde, stimmige Regiearbeit. [...]
Der amerikanische Traum in Gestalt von Schauspielerin Theresa Palfi stöckelt mal in Highheels, gleitet mal auf Skiern über die Bühne, wirft mit Goldglitzer um sich, räkelt sich im Pelzmantel oder in Dessous. Und sie ist immer an Willys Seite, um ihm sein Scheitern vor Augen zu führen. Der „American Dream“ als gesellschaftliche Leitidee ist damit in Katrin Plötners Regiearbeit für Willy sichtbar dauerpräsent und vernichtet ihn am Ende. Eine gelungene Zuspitzung mit Palfi in sehr passender Besetzung. [...]
Eigentlich hatte Arthur Miller seinerzeit mit dem Gedanken gespielt, sein Werk „Inside of His Head“ zu nennen. Diesen Blick tief hinein in Willy Lomans von einer gesellschaftlichen Leitidee geprägte und zerstörte Gedankenwelt gewährt Katrin Plötner mit ihrem Team auf ihre eigene, verdichtete, zugespitzte Art. Das Publikum spendet dem Ensemble viel Applaus.
Main-Echo

Regisseurin Katrin Plötner bedient sich symbolträchtiger Bilder. Sie personifiziert den American Dream durch eine Gestalt zwischen Nutte, Luxus-Weibchen und Goldflitter streuendem Engel. Theresa Palfi verkörpert diese Figur genial-grotesk. [...]
Willy kommt nicht bei einem fingierten Autounfall ums Leben, sondern geht in einer Wolke aus Goldflitter unter.
Bayrische Staatszeitung

Zum Auftakt und zum Schlussbild feuerten Lichtbatterien so grelles Licht in die Ränge, dass alle Zuschauer die Augen schließen mussten. Dem sehenswerten Geschehen dazwischen spendete das Premierenpublikum kräftigen Beifall.
Fränkische Nachrichten

Das ist kein Konversationsstück über den gescheiterten American Dream, sondern eine theatrale Zustandsbeschreibung eines Alptraums vom Verlust der Realität und zutiefst deprimierend. Arthur Millers Erfolgsstück von 1949 „Tod eines Handlungsreisenden“ spielt im Würzburger Mainfranken Theater in einer Welt aus den Fugen, in Trümmern, von unerfüllten Normen einer gnadenlosen Leistungsgesellschaft.
Hier gibt es keine Entwicklung zu einer Katastrophe hin, alles ist schon von vorneherein kaputt in der Inszenierung von Katrin Plötner. Sie bedient sich dabei zutiefst symbolträchtiger Bilder. Das mag manchen Zuschauer verstören. Denn da wird der American Dream personifiziert von einer Gestalt zwischen Nutte, luxuriösem Weibchen in Pelzjacke und Goldflitter verstreuendem Engel, von Theresa Palfi unangenehm anziehend und zugleich abstoßend grotesk verkörpert. [...]
Die Entwurzelung des Menschen von der Gemeinschaft und der Natur in einer scheinbar heilen Welt geschieht gleich zu Anfang auf der dunklen Bühne von Anneliese Neudecker: Der dröhnende Klanglärm von Markus Steinkellner suggeriert einen Sturm, der alles mitreißt, und die grelle, auf den Zuschauerraum gerichtete Scheinwerfer-Batterie zeigt: Hier geht es um uns, um das heute, um Realität. Als dann endlich die Zerstörungsassoziationen beendet sind, ist der Blick frei auf die Szenerie mit entwurzelten Bäumen, mit einem wilden Bretter-Durcheinander. Willy Loman, in Anorak und Stiefeln, spielt mit dem Feuer; bald danach begibt er sich in das Konstrukt einer angeblich heilen, amerikanischen Familie. [...]
Als er von seiner Chefin wegen Unrentabilität und Ineffektivität gefeuert wird, lässt die Regisseurin ihn in seiner Wolke von Goldflitter zusammen mit der irrealen Traumgestalt untergehen. [...]
Das Publikum feierte die ausgezeichneten Darsteller mit langem, herzlichem Beifall.
Nummereinhundertelf


pest (UA), Theater Regensburg

Für eine Regie kein leichtes Unterfangen, diese Textsammlung in eine szenische Form zu bringen. In ihrer Inszenierung hat Katrin Plötner sich zusammen mit ihrer Bühnenbildnerin Anneliese Neudecker für eine fast leere Bühne entschieden, in der alles aus dem Spiel des Ensembles heraus entstehen muss. Nach vorne hin rückt eine Art durchsichtiger Gazevorhang das Geschehen in eine traumhafte (oder traumatische?) Ferne, nach hinten ist der Raum durch eine schwarze Wand mit zwei Durchbrüchen abgeschlossen. Eine weitere Wand wird von den Spielern von rechts nach links bewegt. Bei den Katastrophenszenarien weht weißer und schwarzer, manchmal auch blauer Plastikmüll über die Bühne.
In der gestrafften Textfassung von Plötner wird das Geschehen entertainerhaft geformt. Drei Schauspieler (Sina Reiß, Patrick O. Beck und Michael Haake) in goldenen Jacken plaudern über ein Standmikro fast beiläufig, schauen zu, wie Angus, von Ulrike Requadt gespielt, seinen Sohn (Jacob Keller) fertig macht. Im Folgenden werden Rollen schnell gewechselt, das macht dieses Ensemble grandios.
Die Deutsche Bühne

Der junge, talentierte Fußballspieler Georgios soll nach dem Willen seines Vaters Erstliga-Profi werden und dafür die Schule sausen lassen. Je nachdem, wie er sich entscheidet, verläuft sein Schicksal, das des Vaters und das des ganzen Landes völlig anders. Am Ende aber immer letal. Küsperts auf diesen Schicksalsweichen aufgetürmte düstere Visionen sind vogelwild, ganz schön sperrig und ungeheuer unheilsschwanger. Durchaus eine Herausforderung. Katrin Plötner hat nun aus dem Text ein gut funktionierendes, handlich-praktikables, immer noch nicht so ganz leicht konsumierbares Destillat gemacht. Ein Zaumzeug, das den Zuschauer im Bann hält.
Plötner packt auf den Wust an Schicksalsvarianten - Terror, Tod und Katastrophen - nicht noch weitere Verästelungen drauf, sondern vertraut auf einige grundlegende Bildideen. Die Bühne (von Anneliese Neudecker) ist eine von zwei Flutlichtmasten umstandene schwarze Schachtel hinter Gaze, ein großer Schuber bewegt sich dann und wann hin und her, reinigt sie von abgelegten Abgelebten und jenen Unmengen an Plastikmüll - diese globalen, pestilenzartigen Insignien der modernen Verwüstungszivilisation - die immer wieder hereingeweht werden. [...]
Glitzer braucht Plötner für die Moderatoren-Ebene ihrer Inszenierung: den seitlichen Kommentarbereich. Dort erweitern Klang und Geräusche das Spiel um eine prägende, dauerpräsente Akustikfläche; da wird mikrofonverstärkt gesummt und gesungen, geknarzt und geknackt, gemauschelt und genuschelt, punktuell wird Musik von Markus Steinkellner dazu gereicht. So weitet sich der Raum ins Ungefähre: Denn das Stück mit seinen kaleidoskopartig ausufernden, unbändigen Erzählungen vom Kampf der - noch fiktiven - neuen Supermächte Indien und China gegen den Terrorimus, von den schrecklichen Folgen eines Laborunfalls, Revolte in den Städten, Depressionen eines Fußballprofis lebt von seinen visionären Unschärfen, vom gleichzeitigen Dasein unzähliger Schicksalsvarietäten.
Es sind letztlich die Schauspieler, die diese permanente Gleichzeitigkeit einsichtig und einleuchtend machen. Sie wechseln beständig die Rollen und schaffen dennoch im Mahlstrom der Unklarheit Klarheit durch ihre Präsenzen. [...] Im Reich der ungezählten Möglichkeiten hat Katrin Plötner eine sehr gute Möglichkeit gefunden, „pest“ zu inszenieren.
www.nachtkritik.de

Das wichtigste Werkzeug, um mehrere ausgewachsene globale Welten inklusive eines dystopischen Kriegsszenarios auf die kleine Bühne des Regensburger Theaters am Haidplatz zu klemmen, ist eine grüne Wand senkrecht zur Rampe, die quer über die Bühne geschoben und gezogen werden kann. Der kleine Weltenschieber von Anneliese Neudecker räumt sanft, aber kompromisslos ganze Kontinente ab, einschließlich ihrer Plastikabfälle am Bühnenboden. Mit einer Weltbevölkerung von fünf figurenflexiblen Schauspielern - Sina Reiß, Ulrike Requadt, Patrick O. Beck, Michael Haake und Jacob Keller - begradigt Regisseurin Katrin Plötner Küsperts Möglichkeitsdrama souverän in eine übersichtlich lineare 70-Minuten-Fassung.
Theater heute

Auf Anneliese Neudeckers Bühne, wo Uraufführungsregisseurin Katrin Plötner die Schauspieler in Mikros keckern, mümmeln, Werbejingles summen oder atmosphärische Umgebungsgeräusche machen lässt, schaut es so aus, als tauge dieses Terrorkommando der guten Laune und des Konsums als adäquates Gegengewicht zur Düsternis der Haupthandlungsstränge. [...]
So schnurrt die Inszenierung in einem guten Tempo und leidlich unterhaltsam ab, indem eine fahrbare Trennwand den bei besonders katastrophalen Wendungen hereinwehenden schwarz-weißen Plastikmüll mitsamt der in ihm gerade zu Tode Gekommenen von einer Seite respektive Welt zur anderen schiebt.
Süddeutsche Zeitung

Konstantin Küsperts „pest“ ist hervorragend inszeniertes Theater. [...]
Die Pest des 21. Jahrhunderts, das sind Ströme von Plastik, die unsere Erde, die Wüsten und Ozeane, fluten. Sie schwellen unaufhaltsam an. Auf der der Bühne des Theaters am Haidplatz begraben sie schon die Menschen unter sich. Ein griffiges Bild für die Apokalypse von Menschenhand: Die Kreatur erstickt unter Folienfetzen, verendet von Söldnerkugeln getroffen, zersetzt sich im Sperrfeuer radioaktiver Strahlung. Leid tut sie uns dabei nicht. Zwischen Not und Elend ist sogar ein Kichern möglich.
Katrin Plötner ist seit „Romeo und Julia“ und „Woyzeck“ in Regensburg bekannt als Regisseurin, die für ihre starken, unter die Haut gehenden Bilder auch zu dicken Pinseln greift. Sie holt aus Konstantin Küsperts am Haidplatz uraufgeführtem Theatertext „pest“ an Empathie für die Figuren raus, was nur irgendwie zu holen ist. [...]
Zwei gleichzeitig existierende Welten auf die Bühne zu bringen, ist ein Kunststück, das Anneliese Neudecker mit einer verschiebbaren Zwischenwand gelingt. Das wandernde Bühnenbild macht die Abweichungen und auch die Parallelitäten der beiden Welten sichtbar. Überhaupt greift die Inszenierung ganz tief in die große, wunderbare Trickkiste des Theaters, um den sehr kalkulierten, sehr kühlen, mitunter gewalttätigen Text mit Leben zu erfüllen. Die Schauspieler agieren über Strecken wie Kinder, die mit einem Fetzchen Stoff und einem Holzstecken unter Gebrüll in den Kampf ziehen. Es macht Spaß, sie dabei zu beobachten. Markus Steinkellners Musik verstärkt die endzeitliche Szenerie mit zersplitternden Sounds und dumpfen Einschlägen. Die launigen, „Ole, Ole“-Schlachtgesänge intonierenden, mit vollen Händen Plastik wie Konfetti werfenden Showmoderatoren verleihen dem bösen Spiel Komik, Absurdität und Monstrosität. Die Schiebewand räumt Leichen so rücksichtslos beiseite, dass man sich als Zuschauer ums die Unversehrtheit der Schauspieler sorgt. [...]
Katrin Plötner hat einen schwer zu greifenden Text in ein ansehnliches Bühnenstück verwandelt, das Dank komischer Momente Unerträgliches - gleichwohl Dinge, die mittlerweile unseren Alltag prägen - erträglich macht. [...] Nach 75 Minuten gibt es viel Applaus.
Mittelbayrische Zeitung

Mit „pest“ knallt Küspert der Regie einen Brocken hin, den man erst einmal bewältigen muss: eine Art Death-Metal-Version des guten, alten Bewusstseinsstroms. [...]
Die Inszenierung nimmt diese Bruchstückhaftigkeit auf, die Bühne (von Anneliese Neudecker) wird übersät mit Plastikmüll, die Globalpest der Gegenwart, ansonsten lässt Regisseurin Katrin Plötner die Visionen Küsperts klug in einem Zwischenreich des Ungefähren, der Groteske, der Unschärfe. Die Schauspieler wechseln ihre Rollen permanent durch, bauen mit Mikrofonen eine Geräusch- und Gemurmel-Ebene ein, eröffnen damit zugleich eine Moderatoren-Dimension, erzeugen Leben, das aus dem Plastikmüll zu kommen scheint und in ihn zurückkehrt. Müllschnipsel werden zu Sandmännchensand, mit dem die Spieler sich gegenseitig würzen: willkommen im Alptraumgespinst. Ein Schieber, der regelmäßig über die Bühne fährt, mischt Müll und Handlung immer wieder durch.
Die Spieler - Sina Reiß, Ulrike Requadt, Patrick O. Beck, Michael Haake und Jacob Keller - stemmen diese Rollenkaskade mit souveräner Beiläufigkeit und geben durch ihre Präsenz, ihre Spürbarkeit, ihre Nähe, den stark abstrakten Handlungsfäden konkrete Form. Es ist eine helle Freude, ein Theaterteam an einem dunklen, sperrigen, rätselhaften Stoff arbeiten zu sehen: Theater in den Untiefen von Texten, die Bühne als Paralelluniversum.
Donaupost

Aus der kleinen Bühne am Haidplatz holt das Team um Regisseurin Katrin Plötner bemerkenswert viel heraus. Es ist eine Menge Bewegung im Spiel, Müllschnipsel flattern durch die Luft, Leichen werden über den Boden gestreift, die Rollen werden im fliegenden Wechsel getauscht: Sina Reiß, Ulrike Requadt, Patrick O. Beck, Michael Haake und Jacob Keller verkörpern die wenigen Figuren gekonnt im Wechsel, was die Idee der Beliebigkeit möglicher Zukünfte ganz gut unterstreicht. [...]
Ein kurzes Stück von einer Stunde und fünfzehn Minuten, das durchwegs unterhaltsam ist. Vor allem deshalb, weil Überlegungen à la „Was wäre gewesen, wenn ...?“ Spaß machen, jedenfalls wenn man ein bisschen Phantasie hat. Die hatte das Publikum offenbar; der Premierenapplaus war entsprechend groß.
www.samtundselters.de

Diese Inszenierung von Katrin Plötner erfreut [...] durch eine geschlossene Ensembleleistung und durch gelungene Bilder: Wie die gute alte Seilmechanik dafür sorgt, dass „Welt 1" „weggeswosht" wird und wir uns plötzlich in den Paralleluniversen wiederfinden, das ist durchaus ein optisches Vergnügen.
Der neue Tag


Hin und Her, Schauspiel Frankfurt

Regisseurin Katrin Plötner setzt im Schauspiel Frankfurt mit Horváths Stück ein Statement zur Flüchtlingskrise, zeigt überforderte Grenzpolizisten und traumatisierte Emigranten. [...] Gut gespielt, gekonnt inszeniert, mit viel Raum für einen Text, der uns das Hin und Her im Umgang mit Heimatlosen vor Augen führt.
3sat, Da, da & da

Eine Amtsposse mit amourösen Verwicklungen verwandelt die junge Regisseurin Katrin Plötner in das Drama der Stunde. [...]
Es beginnt befremdlich. Wundersam, genaugenommen, mit einem Publikum, das vor dem Eingang zur Box des Schauspiels Frankfurt steht, und mit einem Ferdinand Havlicek, der seltsam anders spricht, als man es eigentlich erwartet hätte: „Ich bin lebendig begraben worden. Ich habe mit dem Tode geredet, und er hat mich versichert, es gebe weiter nichts als ihn.“
Was für ein Anfang! Ein Prolog bloß, der freilich erkennbar nicht in dieses Stück gehört und auch kaum von diesem Autor stammen kann. Und der doch, zusammen mit Jean Pauls furioser „Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, dass kein Gott sei“ zum Finale, den Clou von Katrin Plötners Inszenierung von Ödön von Horváths selten gespielter Komödie „Hin und Her“ vorstellt.
Verleiht doch die Prosa Jean Pauls und verleihen mithin die beiden Monologe eines Verzweifelten Horváths Drama eine Dringlichkeit und Tiefe, eine Tragik auch, die sich in dieser 1934 in Zürich uraufgeführten „Posse in zwei Teilen“ über den plötzlich staatenlosen, auf einer Brücke über dem Niemandsland schwebenden Havlicek nur schwerlich finden lassen. [...]
Indem freilich Plötner nicht nur einzelne Szenen, nicht nur Figuren wie das Schmugglerpärchen streicht, andere wie Frau Hanusch deutlich aufwertet und das Happy End in ein rabenschwarzes, fast ein wenig arg überdrehtes Finale überführt, zieht die Regisseurin dem Text eine Ebene ein, die aus Horváths skurriler, von allerlei amourösen Verwicklungen grundierter Amtsposse das Drama der Stunde destilliert. [...]
Wie Vincent Glander aus Horváths „wandelndem Billetdoux“ einen zunehmend an Leben, Tod und Einsamkeit Verzweifelnden macht, wie Havlicek mit Jean Paul „die Zeit mit schweren Füßen über die Welt“ schreiten sieht, jene Momente erst machen aus einem unterhaltsamen schließlich einen reichen, einen intensiven Abend. Und über den Augenblick hinaus fesselndes Theater.
Frankfurter Allgemeine Zeitung

Als Stück zur Stunde hat die als Regiehoffnung gehandelte Katrin Plötner zur Eröffnung der Saison des Regiestudios in der Box des Frankfurter Schauspiels Ödön von Horváths 1934 in Zürich uraufgeführte Posse „Hin und Her“ inszeniert. [...] Es gehört nicht zu seinen stärksten, besonders der glückliche Schluss mit Doppelheirat ist läppisch.
In Frankfurt hat denn auch die Regisseurin gemeinsam mit der Dramaturgin Henrieke Beuthner den Text mit eingeschobenen Passagen aus Jean Pauls Romanen „Siebenkäs“ und „Der Komet“ sowie aus Elfriede Jelineks „Die Schutzbefohlenen“ angereichert. Gescheit baut die Inszenierung auf der in diesem Falle waltenden Nähe Horváths zu seinem Zeitgenossen Franz Kafka auf. Zu sehen ist eine Posse, in der es nichts zum Lachen gibt. Vielmehr herrschen schaurige Züge vor. [...]
Schlicht und punktgenau ist diese Inszenierung gearbeitet, sorgfältig vermeidet Plötner eine wohlmeinend engagierte Vordergründigkeit. Boshafte Karikaturen sind die Figuren, die Havlicek umgeben. Allweil mit sich beschäftigt, scheinen sie ein Erbarmen nicht zu kennen. Nur folgerichtig, dass Horváths „glückliches Ende“ nicht mehr als ein hohnsprechender Karneval sein kann.
Offenbach-Post


Playboy (UA), Theater Augsburg

Explodierende Gewaltorgie auf dem Seziertisch – Das Augsburger Ensemble begeistert in „Playboy“
Von „einfach geil“ bis „zum in die Tonne hauen“ reichten die Publikumsreaktionen auf die Uraufführung der Szenencollage Playboy aus der Feder der serbischen Dramatikerin Marijana Verhoef. Wer sich unter dem Titel etwas yellow-press-Koloriertes im Schicki-Micki-Ambiente von Saint-Tropez oder Sankt Moritz vorgestellt hatte, wurde schnell und brutal eines Besseren belehrt. […]
Regisseurin Katrin Plötner zündet im dumpfen Gewölbe des Hoffmannkellers, das von Ausstatterin Anneliese Neudecker lediglich mit einem überdimensionalen metallenen Seziertisch bestückt wurde, ein mitunter schwer erträgliches brachiales Feuerwerk an verbal und nonverbal explodierender Gewalt. […]
Riesenbeifall für das Ensemble.
Bayrische Staatszeitung

„Playboy“ ist effektvoll inszeniert. […]
Katrin Plötners Inszenierung setzt der Drastik des Stückes mit Unterleibs-Inspizierungen und Requisiten wie einem ferngesteuerten Panzer mit Plastik-Penis auf dem Zielrohr noch eins drauf. Sie verteilt die sechs Rollen auf drei Darsteller, was der Aufführung zu Geschlossenheit verhilft. […]
An Tempo und Effekten fehlt es dieser schrillen Revue mit Tanz und Gesangseinlagen nicht.
Augsburger Allgemeine

Gelungene Uraufführung im Hoffmannkeller gefällt zum Glück nicht allen. […]
Katrin Plötner inszeniert das lebendige Kammerspiel zielsicher in den Schlauch des Hoffmannkellers. Unterstützt wird sie dabei von Anneliese Neudecker, die beim Splatter-Spaß für Bühne und Kostüme verantwortlich ist. Natürlich wird die blutige Uraufführung des Stücks von Marijana Verhoef nicht allen gefallen, aber das muss es ja auch nicht. Wer bei Tarrantinos Filmen lachen kann und sich für Mechanismen der Politik interessiert, ist bei Playboy genau richtig.
a3kultur

Hier geht es derb zur Sache, Gewalt und Sex sind verbal sowie auf raffinierte Weise dargestellt omnipräsent. Dieses Stück ist nichts für zarte Gemüter. Starke Inszenierung, maximale Wirkung. [...]
Zusammen holt das Ensemble maximale Atmosphäre aus dem kleinen, länglichen, minimalistisch ausgestatteten Hoffmannkeller heraus.
www.myheimat.de


Du sollst den Wald nicht vor dem Hasen loben (UA), Staatstheater Karlsruhe

Auf humorvolle und trotzdem drastische Weise beschäftigt sich ein neues, vom Publikum gefeiertes Stück am Karlsruher Staatstheater mit dem Thema Demenz. […]
Das sehenswerte und spannende Stück unter der einfühlsamen Regie von Katrin Plötner ist eine Weiterentwicklung des Buches „Als meine Mutter ihre Küche nicht mehr fand“.
dpa

Drastische und zugleich poetische Bilder findet die junge Regisseurin Katrin Plötner auf der Studiobühne des Staatstheaters Karlsruhe für das Leben der Frau mit Demenz. […]
Regisseurin Plötner und ihr Team finden jenseits der Worte starke Bilder für den Verfall. Melodien und Harmonien zerreißt Markus Steinkellner mit dem Synthesizer. Seine Musik peitscht die Schauspielerinnen in das Gefängnis ihres Unbewussten. Diese Enge spiegelt auch Martin Miotiks Bühne. Mit sparsamen Details skizziert er das Wohnzimmer der gebildeten Frau, die im Pflegeheim-Kabuff endet. [...] Am Ende kriecht die sterbende Seniorin durch den Müll und krallt sich gewaltsam am Leben fest.
Eva Derleder gelingt die ebenso brillante wie anrührende Studie einer Frau, deren Geist abstirbt. In lichten Momenten sucht sie nach Ausflüchten. Dann schminkt sie ihre Lippen zum lächerlichen Clownsgesicht. Sie verliert die Kontrolle über sich. Wie schmal da der Grat zum Verlust der Würde ist, zeigt die Schauspielerin stark. Lisa Schlegel als Tochter fegt zu energisch über die Bedürfnisse ihrer Mutter weg. Jedoch glückt gerade ihr ein betörendes Szenario der Sprachlosigkeit.
Katrin Plötners eineinhalbstündige Regiearbeit erfasst die Facetten der Demenz bemerkenswert sensibel. Wenngleich die junge Regisseurin die Gedächtnislücken der Mutter sogar ins Lächerliche zieht, überwiegen die dunklen, die tiefen Momente. Plötners radikal poetischer Zugriff auf den Text, der schwer aus den Fesseln des Dokumentarischen zu befreien ist, berührt im allerbesten Sinn.
Die Deutsche Bühne

In Karlsruhe inszeniert die Endzwanzigerin Katrin Plötner sehr reduziert, sehr uneitel, was umso erstaunlicher ist, wenn man weiß, dass der Abend eine ihrer allerersten Arbeiten nach Abschluss am Salzburger Mozarteum ist. Die Regisseurin Plötner arbeitet sehr genau mit den beiden Schauspielerinnen.
Spiegel online

Es ist ein bemerkenswertes Stück und eine bemerkenswerte Inszenierung. […]
Sehr stimmig inszeniert. [...]
In Karlsruhe inszeniert hat eine Regisseurin, die ihr Studium am Salzburger Mozarteum erst vor zwei Jahren abgeschlossen hat. Man konnte befürchten, eine so junge Theatermacherin könne mit der Thematik unter Umständen nicht viel anfangen. Am Ende der Uraufführung wusste man: Im Gegenteil, Katrin Plötner hat nicht nur sehr genau und emotional stimmig inszeniert, sie hatte auch zwei Schauspielerinnen, die sich vorbehaltlos dem nicht so einfach zu spielenden Dialogstück widmeten.
Eva Derleder etwa, die aus der Mutter zuerst eine intellektuelle Frauenfigur macht, sehr stilbewusst inmitten ihrer Bücher thronend. [...] Am Ende wandelt sie derangiert in Pampers über die Bühne.
So geht ein bemerkenswerter Theaterabend zu Ende und steht zum Schlussapplaus ein Autor auf der Bühne, der mit dieser Uraufführung mehr als zufrieden sein dürfte.
Schwäbische Zeitung

Die Inszenierung von Katrin Plötner überzeugt durch unaufdringliche Präzision und viel Sinn fürs Detail.
BNN

Minna von Barnhelm, Landestheater Niederösterreich, St. Pölten

Starke Bilder findet Plötner für Minnas Leid. Sie ohrfeigt sich selbst und schlägt den Kopf an das Bühnenbild, als wäre es die Wand, gegen die der sture Major sie laufen lässt. Noch deutlicher wird ihre Wehrlosigkeit, als sie mit nacktem Oberkörper auf dem Major sitzt – der sie mit untätigen Armen von seinen Knien rutschen lässt, sodass sie in jeder Hinsicht entblößt vor ihm steht.
Das glückliche Ende der Komödie ist hier ein fragwürdiges; daneben wird gebrüllt, geschlagen und geschossen. Denn tut der Liebe nicht Gewalt an, wer so mit ihr spielt? […] Klug und mutig.
Der Standard

Katrin Plötner hat Lessings Lustspiel „Minna von Barnhelm“ gründlich entstaubt. […]
Das Kurfürstentum Sachsen, im Siebenjährigen Krieg von Preußen ausgepresst, wirkt im Landestheater Niederösterreich abgebrannt. Vier Meiler aus glimmender Holzkohle bilden auf der Bühne in gotischer Schrift ein „Grüß Gott, tritt ein“. So sieht für die Berliner Regisseurin Katrin Plötner der Eingang zum Gasthaus aus, in dem Gotthold Ephraim Lessings Komödie „Minna von Barnhelm oder das Soldatenglück“ (1767) spielt. Vier Brandherde und im Hintergrund ein heller Vorhang, der bei jedem Auftritt oder Abgang noch stärker mit Kohle beschmiert wird: Es geht hier auch um einen beschmutzten Ruf. […]
Plötner ändert in ihrer Inszenierung, die am Wochenende in Sankt Pölten Premiere hatte, die Chronologie. Im Gegenlicht erscheint am Anfang Tellheim (Lars Wellings). Mit Mühe führt seine zerschossene Hand das Dosenbier an den Mund. Flankiert wird er von einem Chor 50 plus mit bunten Ballons – es sind Sachsen, die sich dafür bedanken, dass er sie im Krieg geschont, die fehlende Summe für den Tribut an Preußen durch eigene Mittel ergänzt hat. Sie singen: „Heil, Major von Tellheim!“ Aber der wird in Berlin der Korruption verdächtigt, ist aufs Tiefste verletzt, fertig. […]
Das Drama wurde gründlich entstaubt, doch blieb auch etwas Ehrfurcht vor dem Text in diesen frechen, flott gespielten zwei Stunden bestehen. Man sieht schräge junge Frauen, die Spaß haben, Schnaps kippen, rauchen, richtig zur Sache gehen, und fast nur Männer, die auf Ulk reduziert sind. Allein Tellheim ist ganz Melancholiker, träumt von Selbstmord. Es knallt unheilvoll. Alles nur Fantasie! Ein königliches Sendschreiben verkündet Rehabilitation. Am Schluss jedoch erscheint noch einmal der Chor und singt: „Ich hatt' einen Kameraden“. Das klingt dann gar nicht mehr nach Happy Ending.
Die Presse

An eine Neuinszenierung von Gotthold Ephraim Lessings Komödie „Minna von Barnhelm oder das Soldatenglück“ wagt sich die junge Regisseurin Katrin Plötner am Landestheater NÖ in St. Pölten, wo die Premiere am Freitagabend freundliche Aufnahme fand. Plötner taucht den Klassiker in leicht skurriles Licht und setzt Pointen zwischen Verfremdung und Slapstick. […]
„Grüß Gott tritt ein“ steht in dunklen altdeutschen Lettern zu lesen, die wie eine dreidimensionale Plastik aus monströsen Kohlebriketts den Raum vor einem verschmutzten Vorhang beherrschen (Bühne: Martin Miotk). Ein Chor mit bunten Luftballons eröffnet das Stück mit einem Lobgesang auf den Major von Tellheim. Dieser, sympathisch dargestellt vom deutschen Schauspieler Lars Wellings, ist ein psychisch wie physisch ramponierter Kriegsverlierer, der seiner Ehre nachräsoniert. Dass er - rehabilitiert - am Ende des Stücks wieder in den Krieg zu ziehen gedenkt, zählt zu den wahrhaft tragischen Momenten dieser Komödie.
Lisa Weidenmüller in der Titelrolle gibt ein gar kapriziöses Geschöpf, aufgedonnert wie eine laszive Zirkusprinzessin (Kostüme: Eugenia Leis), begleitet von ihrem Kammermädchen Franziska, dem Marion Reiser witzige Facetten abgewinnt. Die beiden Damen wirken durchaus ungeniert, pofeln eingangs um die Wette und kippen kleine Klare aus dem mitgeführten Fläschchenarsenal. […]
Es gibt sehr überzeugende Passagen, etwa das Finale, wenn nach dem Pseudo-Happy-End der „Chor 50 plus“ die in der Schlusspose verharrenden Mitwirkenden umringt und alle Strophen von „Ich hatt‘ einen Kameraden“ anstimmt. Auf dem gefallenen Vorhang erscheinen - gleich einem Menetekel in schwarz-weiß - die Silhouetten von Bäumen wie ein Scherenschnitt, der langsam in der Finsternis verglimmt.
Tiroler Tageszeitung

Dass der Ehrbegriff und der Wille zum Krieg weiterhin die Zukunft der Welt beherrschen wird, hat die Regie mit dem Schlusslied des Chors „Ich hatt` einen Kameraden“ exzellent ausgedrückt. Der Chor 50+ bereicherte auch den Einsteig ins Stück mit der gesanglichen Lobpreisung Tellheims meisterlich, sang andante – piano in der Tradition des griechischen Chors, der die Handlung stets dokumentiert und erläutert. Er stellte eine wirklich zielführende Modernisierung im Sinne Bert Brechts und Erweiterung des Werkes Lessings dar.
Genauso gelungen wie die Leistung der Schauspieler, Regie und Bühne!
Literarische Gesellschaft St. Pölten

Regisseurin Katrin Plötner reichert den Klassiker zusätzlich mit Humor an, lässt ihn zeitweise aber auch auf den harten Bühnenboden krachen. […]
Schon der Beginn setzt den Ton für die Aufführung. Mitglieder des Chor 50 Plus des Festspielhauses St. Pölten singen „Herr von Tellheim, ihm sei Dank“ und weiter „er hat uns errettet“. Die Töne sind leicht schief, die Stimmen eher brüchig. Luftballone in der Hand. Dies ist kein heroischer Freudengesang sondern wirkt in einer Art und Weise lächerlich, wie der bürgerliche Begriff der „Ehre“, mit deren Fragwürdigkeit uns Lessing in Plötners Inszenierung konfrontiert. Tellheim wiederum spielt nur wenige Augenblicke danach seine Liebe zu Minna mit improvisierten Handpuppen aus Taschentuch und Ring nach. Das ist ebenso wieder zwischen Skurrilität und einer tiefen, hilflosen Traurigkeit.
www.musicaltheaterdetective.blogspot.co.at

Dieses Stück anzuschauen ist wie eine überdimensionale Wundertüte zu öffnen. […] Katrin Plötner hat diese erste nennenswerte Komödie der deutschen Aufklärung spannend inszeniert. www.spielzeitreporter.wordpress.com

Woyzeck, Theater Regensburg

In Woyzeck zeigt Büchner einen restlos nutzbar gemachten Menschen, ein ausgebeutetes und gedemütigtes Arbeits- und Versuchstier. Nackt steht er vor dem Doktor, der Wasser in seinen Mund gießt, um ihn zum Urinieren zu bringen. Blutbesudelt hängt er kopfüber in den Seilen, bietet seinen Leib zur Organentnahme dar. Immer wieder findet die junge Regisseurin Katrin Plötner starke Bilder. […]
Wenn Woyzeck Marie gespenstisch ruhig in den Tod führt, gewinnt der Abend noch einmal fesselnde Kraft.
Süddeutsche Zeitung

80 Minuten in der Seelenmangel. Büchners „Woyzeck“ ist ein offenes Rasiermesser. Katrin Plötner hat ihn in Regensburg neu inszeniert: Ihre drastischen Bilder vergrößern die Wunden.
Knapp eineinhalb Stunden Blut, Schmerz, Demütigung, klaffende menschliche Abgründe: „Woyzeck“ ist eine einzige Zumutung, eine mörderische Seelenmangel, die aus jedem noch das letzte Quäntchen Hoffnung herausquetscht. Belohnt wird der Theatergänger für sein Aushalten und Ausharren mit einer Sprache, deren poetische Kraft und Klarheit bis heute kaum erreicht ist. […]
Ausschließlich starkes Theater: sehr gut bis großartig agierende Schauspieler, das Geschehen getragen von der einzigartigen Sprache und Büchners menschlichem Bestiarium. […]
Woyzeck versucht vergebens, in eine Blechdose zu pinkeln, während der Doktor oben Wasser in ihn hineinschüttet. Ein starkes Bild physischer Qual und Entwürdigung. […]
Büchners kopfstehende Welt ist im Regensburger „Woyzeck“ in zunehmend überdrehte und drastische Bilder gefasst. Kopfüber hängt der Soldat mehrfach in den Seilen. In einer surrealen, albtraumhaften Szene wird er wie ein aufgespanntes Karnickel vom Doktor ausgeweidet. Der Jahrmarkt ist ein groteskes Spiel, ein bizarres Affentheater. In einer wie von Hieronymus Bosch gemalten Tod-und-Eros-Szenerie tanzen Major und Marie im Rotlicht einen geilen Zeitlupen-Pas-de-deux, während wummernde Bässe ins Schambein fahren. […]
Wie ein Schwein quiekt Marie, als ihr Franz sie am Ende abschlachtet. Ihre schrillen Schreie klingen lange im Ohr. Wie laut, wie bunt kann man den „Woyzeck“ inszenieren, ohne ihn zu verlieren? Katrin Plötner geht an die Grenze und überschreitet sie an manchen Stellen. Das ist junges, lebendiges, streitbares Theater. Das Sitzenbleiben lohnt. Es gab viel Premierenapplaus – und selten wurde beim Hinausgehen so intensiv diskutiert.
Mittelbayrische Zeitung

Egal wie schnell Plötners Woyzeck auch rennt – zum Wahnsinn der anderen kann er nicht aufschließen. Dass er nicht aufgibt und es am Ende doch noch in die Liga der Irren schafft, ist die eigentliche Tragik dieses Regensburger Woyzecks. […]
Dabei bleibt die Inszenierung so fragmentarisch wie Büchners Text. Oft auf starke Bilder hin gebaut, folgt der Abend keiner stringenten inneren Dramaturgie, sondern darf als Spiegelbild des Stücks stocken, stehenbleiben, woanders wieder einsetzen. Dabei wird Katrin Plötner auch nicht müde, dem gediegenen Regensburger Theaterpublikum die Einzelheiten der menschlichen Anatomie nahezubringen, denn nackte Haut und primäre Geschlechtsteile rufen immer noch – auch im 21. Jahrhundert – in bayerischen Theatersälen ein erschrecktes Raunen hervor. Leute, in der Inszenierung ist ein Penis zu sehen. Ihr seid alle erwachsen, guckt ihr nie in den Spiegel? Kommt klar. […]
Ein paar der viel radikaleren Bilder in Plötners Inszenierung, zum Beispiel das Herrmann-Nitsch-Zitat gegen Ende des Stückes mit Woyzeck als büßender Jesusfigur mit den Füßen gen Himmel zeigend riefen wiederum beim Publikum nicht mal ein entrüstetes Räuspern hervor. Dabei ist die diesen Bildern innewohnende Blasphemie eine sehr augenöffnende: in einer Welt, in der man Amtsinhabern, Würdenträgern und anderen personifizierten Institutionen nicht mehr vertrauen kann, in der man sich nicht mal mehr auf das private Glück der Kleinfamilie und der Häuslichkeit zurückziehen kann, ist auch die Religion kein Trost mehr. Und wenn nicht mal mehr Beten hilft, ist die nackte Verzweiflung alles, was bleibt. Hier eröffnet sich kein Lösungsweg, kein Rückzug aus der Welt, keine Versöhnung, keine Handlungsanweisung für ein besseres, ein anderes Leben.
Dass in Regensburg der Woyzeck auf der wenig versöhnlichen Note der Geschichte des verlassenen Kindes endet, ist brutal, aber konsequent.
www.regensburg-digital.de

Die Welt als düsterer Irrgarten: Bunt und beklemmend. […]
Woyzeck lebt in einer irren Welt – und die ist in der Inszenierung von Katrin Plötner vielleicht sogar noch ein bisschen irrer als in Georg Büchners Vorlage. […]
Plötner setzt auf Schockmomente, nackte Menschen, Blut und Gewalt. Beklemmende Szenen wechseln sich ab mit schnellen Partybildnern und einigen ruhigen Momenten. […]
Trotz schillernder Farben und glänzendem Flitter wirken die Szenen düster und grotesk. Das Stück skizziert die Gesellschaft mit all ihren Abgründen.
Rundschau

Horace, Landestheater Niederösterreich

Die Tragödien der französischen Klassik tauchen schon seit Langem nur noch in Ausnahmefällen im Repertoire des deutschsprachigen Theaters auf. Umso bemerkenswerter ist das Wagnis des Landestheaters St. Pölten, zum Saisonschluss Pierre Corneilles Römertragödie "Horace" (1640) in einer Inszenierung der jungen Berliner Regisseurin Katrin Plötner zur Diskussion zu stellen. Das Resultat: Keine Klassikerpflichtübung, kein Abend für schöngeistige Connaisseurs, sondern ein aufregendes, mit Gegenwartsproblemen konfrontierendes Theatererlebnis. […]
Katrin Plötner verzichtet in ihrer auf sparsame Mittel beschränkten, auf einer radikal eingestrichenen und damit das Essenzielle treffenden Inszenierung, basierend auf der Übersetzung von Jürgen Gosch und Wolfgang Wiens, in der Theaterwerkstatt auf plakative Aktualisierung aus Gegenwart und jüngerer Vergangenheit. Die erschreckende Mentalität wird vielmehr durch historisierende Verfremdung - etwa postmoderne Römerkostüme in Weiß und Rot, Beibehaltung der Verssprache - hinterfragt und in ihrer Gegenwärtigkeit aufgedeckt. […]
Nach dem Blackout blieb es im Publikum einige Momente lang still. Umso heftiger setzte danach lang anhaltender Applaus ein. Eigentlich wäre es ein Theaterabend fürs große Haus gewesen. "Nestroy"-verdächtig sollte er aber allemal sein.
Wiener Zeitung

Alexander Kluge – Hoffnung und Widerstand (UA), Nordharzer Städtebundtheater

Regisseurin Katrin Plötner macht diesen Prosatext mit einfachsten, ja sparsamsten Mitteln spielbar, scheut sich nicht, Perspektiven und Atmosphären abrupt zu wechseln, und erzeugt in ihrer Inszenierung hierdurch viele Momente von poetischer Kraft und Tiefe. […]
Doch die Aufführung ist nicht nur Hommage einer Kleinstadt an ihr wohl berühmtestes Kind, sondern umkreist in generellen Reflexionen Begriffe wie Heimat und Identität, erkundet das wechselvolle Phänomen der Geschichte, fragt nach ihrem Sinn und Unsinn und den Strategien, sie angesichts von Krieg und Diktatur weiter bewusst zu erfahren und mit ihr umzugehen. […]
Ganz im Sinne der Worte Kluges, die für diesen heiteren, aber tiefsinnigen Abend fast so etwas wie eine Maxime sind: „Wer immer hofft, stirbt singend.“
Theater der Zeit

Fantasievoll inszeniert von der jungen Regisseurin Katrin Plötner. […]
Der abrupte Szenenwechsel und das Zusammenspiel der ausgewählten Texte greifen dabei die collagenhafte Ästhetik auf, zu der Kluge in seinen vielbeachteten Filmen fand. Der stilisierte Zirkus ist nicht nur als Reminiszenz an den Streifen von 1968 „Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos“ zu verstehen, sie bildet gleichsam das Gerüst, um das herum die anspruchsvollen, assoziativen und mitunter als schwer zugänglich geltenden Texte von Kluge spielbar gemacht werden.
Deutschlandfunk

Katrin Plötner macht etwas, was Alexander Kluge so liebt, und spielt mit Realität und Fiktion. […]
Die Bühne am Halberstädter Theater besteht aus Elefantenhockern, einer Fotostudioleinwand und einem roten Vorhang. Im Kreis fährt eine Holzspielzeugeisenbahn. Alles fast wie im Zirkus. Dazu montiert Regisseurin Katrin Plötner eine dichte Essenz aus diversen Texten Kluges. Zum Vorschein kommt ein Kaleidoskop der Gefühle; Wirklichkeiten und Behauptungen, die ineinander changieren. […]
Plötner will sich jeder Deutungshoheit verwehren, aber auch keinen Stehsatz mit Altbekanntem produzieren. Stattdessen verwirrt sie, überlässt den Zuschauer seinen eigenen Assoziationen. Legt Narben, Brüche und Wunden frei. […]
In Halberstadt wird in einer Art Leistungsschau gezeigt, was Kultur – die man in Sachsen-Anhalt gerade mächtig zusammenstutzen will – auch in der Provinz vermag: Aufklärung und Ermunterung zum kritischen Denken.
Deutschlandradio Kultur

Romeo und Julia, Theater Regensburg

Plötner schafft starke Bilder, wenn sie beispielsweise auf den Prolog verzichtet und stattdessen Lady Capulet und Montague still gegenüberstellt, während im Hintergrund Mercutio und Tybalt kämpfen und „schöne Nacht, oh Liebesnacht“, also Barcarole aus Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“, die Szene durchdringt. Oder wenn beim Maskenball die Bühne zum Laufsteg sonderbarer Kostüme wird und im Rausch der grellen Party niemand bemerkt, dass sich Romeo und Julia unter einem überdimensionalen Reifrock verstecken. […]
Schön, dass die Regisseurin Romeo und Julia in ihrer Liebesnacht tatsächlich das sein lässt, was sie sind: zwei ausgelassene Jugendliche. Kreischend und nackt laufen die beiden über die Bühne, bespritzen sich mit Wasser, sinken einander lachend in die Arme. Überhaupt gehören die leichten Szenen zu Katrin Plötners Stärke.
Süddeutsche Zeitung

Am Theater Regensburg hat die junge Regisseurin Katrin Plötner „Romeo und Julia“ dermaßen aufgefrischt, belebt und durchgeschüttelt, dass das sonst eher gesetzte Regensburger Premierenpublikum am Ende euphorisch tobte. Dynamisch, durch und durch saftig-spaßig-traurig und zuletzt anständig zu Herzen gehend: Nichts blieb übrig, was nach Klassikermuseum roch. Stattdessen gab es ein junges, bewegtes und bewegendes zweieinhalbstündiges Drama um die beiden Paradethemen menschlicher Existenz: die Liebe und den Tod.
Donaupost

Mit einer gewagten Inszenierung von Shakespeares Romeo und Julia feiert die junge Regisseurin Katrin Plötner einen riesigen Erfolg im Theater Velodrom. Zwischen brachialer Radikalität und findigen Ideen folgt eine Inszenierung, die das Publikum in ein Wechselbad der Gefühle taucht und so diesem tragischen Stück eine Authentizität und eine radikale Modernität verleiht.
Regensburger Wochenblatt

Wenig erinnert in Katrin Plötners Inszenierung an frühere Adaptionen des weltbekannten Stoffs. Die Liebesgeschichte „Romeo und Julia“ in den Worten Thomas Braschs kann hier wirklich neu erlebt und für sich erobert werden.
Mittelbayrische Zeitung

Eine Modenschau im Glitterregen, ein Liebespaar, das sich nackt im Schlamm wälzt. Bei diesen Szenen mag man an vieles denken, bestimmt aber sicher nicht an die tragische Liebesgeschichte von Romeo und Julia. Verantwortlich für die ungewöhnliche Inszenierung ist die junge Regisseurin Katrin Plötner. Sie steckt Shakespeares Klassiker in ein neues, modernes Gewand. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. […]
Die wohl gewagteste Szene der Inszenierung erwartet die Zuschauer, als Romeo und Julia ihre erste gemeinsame Nacht verbringen. Dabei geht es nicht nur heiß, sondern vor allen Dingen auch dreckig her. Nackt, wie Gott sie schuf, wälzt sich das Liebespaar auf der Bühne im Schlamm.
Die Meinungen zur modernen und mutigen Inszenierung mögen gespalten sein. Eines jedoch muss man den Darstellern und Verantwortlichen lassen: An Leidenschaft und Hingabe hat das alte Stück auch im neuen Gewand nichts verloren.
Regensburger Nachrichten

Die Regisseurin Katrin Plötner inszeniert „Romeo und Julia“ mit wenig Herzschmerz, aber dafür ziemlich hip. […]
Shakespeare hätte wohl seine wahre Freude daran gehabt.
Rundschau

Der Komet – Wichtige Nachrichten vom neuen Traumgeber-Orden und andere seltsame Begebenheiten, Residenztheater München

Katrin Plötners Inszenierung stellte vornehmlich Fragen. Und Fragen sind der Beginn aller Entwicklung. Das Bewusstmachen von Realität ist schon eine Frage an sich, denn selten stimmt der Mensch mit der Realität überein. So interpretiert, war der ästhetisch gelungene und mit klugen Gedanken angereicherte Abend wieder ein optimistischer. In jedem Fall machte er nachdenklich.
www.theaterkritiken.com

Einen subtil schrägen Ausflug in Jean Pauls Metaphysik unternimmt Katrin Plötner mit ihrer Adaption von „Der Komet“. […]
Der traumhafte Einfall, die sich herausschälende Sentenz zählt.
Münchner Abendzeitung

Die Hamletmaschine, Residenztheater München

Will man auf jeden Fall wiedersehen. […]
Heiner Müllers Text wird so transparent wie selten, er entwickelt sich zum Panoptikum eines Gauklers, der die vielen Rollen und Figuren, die nur angerissen, angedeutet, zitiert werden, wie Kulissen über die eigene Identität schiebt. Hamlet, der Rockstar, steht dann mit seiner Gitarre auf einer Treppe, eine kreischende Horde Jugendlicher strömt ins Theater, Hamlet fällt in die Masse, die ihn seiner Kleider entledigt und gleich darauf so brüsk verschwindet, wie sie kam. Übrig bleibt ein abgestürtzer Pop-Jesus, jeder Träume beraubt.
Solche Radikalität fehlt anderen Aufführungen.
Süddeutsche Zeitung

Die wichtigste Aufführung: Katrin Plötner inszenierte Heiner Müllers „Hamletmaschine“ als eine Art Fernseh-Unterhaltung mit großer Showtreppe, hinter der der Abgrund der Menschheits-Geschichte lauert.
Deutschlandradio Kultur

Hamlet als Herzstück. […]
Eine Ausnahme: „Die Hamletmaschine“ von Heiner Müller in der Inszenierung von Katrin Plötner. […]
Sehr sinnlich und bebend von der jugendlichen Energie des Aufbegehrens, Verweigerns und der Selbstauslöschung wird aus dem Anti-Drama ein starkes Stück Theater. Der nur wenige Seiten umfassende Text ist erweitert durch Material wie Müllers „Herzstück“ oder dem eindrucksvoll zelebrierten Rocksong „Starless“ von King Crimson.
Münchner Abendzeitung

Katrin Plötner liest Heiner Müllers grausam finsteres Reflexionsstück neu.
PRINZ